Genauer gesagt, ein Supermarktproblem. Nicht, dass ich eine Supermarktphobie hätte, dass ich keine Einkaufswagen navigieren, zu ungeduldig wäre, um mich an der Kasse anzustellen.
Nein, nichts von alledem.
Es ist nur – und das ist mir mit meinen Kindern nie passiert – mir geht der Huf immer wieder im Supermarkt verloren. Plötzlich, urplötzlich ist er verschwunden. Ich schau nach rechts, nach links, nach vorn, nach hinten, nach oben, nach unten: Nichts, kein Huf weit und breit. Nachdem ich zunächst ein wenig verloren in der Gegend rumschaue, beginne ich schließlich, erst zögernd, dann energischer ihn zu suchen. Überall könnte er sein: Beim Salat, bei der Milch, dem Brot, den Süßigkeiten, aber auch bei den Nudeln, den Wurstwaren oder dem Käse und nicht zuletzt: Bei den Elektrogeräten (Ihr seht, wir haben hier einen großen, um nicht zu sagen einen geradezu amerikanisch dimensionierten Supermarkt, wo es auch Schuhe, Teppiche, Ober- und Unterbekleidung, sowie Toiletten- und Gartenartikel, Autozubehör, Hundeleinen und noch so manches gibt.)
Ich suche also.
Was diese Suche extrem erschwert, ist die Tatsache, dass es anscheinend sehr viele Männer mit Glatze hoher Stirn in blaukarierten Hemden gibt und so kann ich mich ein ums andere Mal noch gerade so bremsen, um nicht einem völlig fremden Herrn mit einem mehr oder weniger fröhlichen: „Da bist Du ja!“ an den Einkaufswagen zu rennen.
Dann – und das ist immer kurz nachdem ich beschlossen habe, einfach an Ort und Stelle wie angewurzelt stehen zu bleiben und mich finden zu lassen – sehen ich den Huf. Am so ungefähr entgegengesetztesten Ende aller Gänge, wahlweise gedankenverloren einen Salatkopf in der Hand wiegend, die Inhaltsstoffe einer Tube Tomatenmark studierend oder einfach nur die Vielfalt der Brotsorten bestaunend – in jedem Fall nicht mich suchend.
Also setze ich mich in Bewegung. Erst zögerlich, dann schneller, alte Männer mit diversen Spirituosen in Blut und Einkaufswagen, junge Mütter mit quengeligen Kindern, Bauarbeiter mit Bierpulle stieben zu Seite, erst kurz bevor ich die Stelle am Regal erreiche, an der ich den Huf gerade noch gesehen habe, schaue ich auf:
Weg.
Er ist WEG!
Kein Huf weit und breit.
Wie vom Erdboden verschluckt.
Ich schaue wieder nach rechts, nach links, nach vorn, nach hinten, nach oben, nach unten
und wieder sehe ich Männer mit hoher Stirn und blaukarierten Hemden – hier einen an dem Wurstwaren – nein, der ist zu klein. DA! Da steht er doch, bei dem Schmorgurken – nein, der ist viel dicker als der Huf. Aber da, da hinten, bei den Wischmoppeln – nee, der hat ’n Schnauzbart.
Aber da! Da hinten schiebt der Huf, und diesmal ist er es wirklich, gemächlich nachdenklich seinen Einkaufsagen in Richtung Milchregal, aber das Milchregal, das ist etwa einen halben Kilometer entfernt…
Noch ist es immer gut gegangen und ich habe ihn irgendwann wiedergefunden.
Aber was, wenn mir das eines Tages nicht gelingen sollte?
…
…
…
Ach was, dann gehe ich einfach zur Tante Kassiererin und sage ihr, sie soll über diese laute Sprecheranlage ausrufen lassen:
Die kleine Pepa möchte von ihrem Huf im Kinderparadies an Kasse drei abgeholt werden.
16 Kommentare zu “Ich hab da ein Problem”
Das muss wohl so wirken. In Wirklichkeit ist der Weg ein ganz simpler von A nach B (mit gelegentlichen (!) Abweichungen nach C und vor allem D, E oder F, G, H, I, J). Da ich zumeist den Wagen führe, sammle ich ein und auf. Wie auf dem Sushi-Band geht es vom Eingang bis zum Ausgang. (Vielleicht stehe ich mal länger an einer Stelle fest, wenn es etwas zu studieren gibt. Aber an sich ist es ein gang simpler Vor-Gang – und wer nicht rechtzeitig an der Kasse ist, muss sich eben selbst anstellen zum Beispiel.)
Da gibt’s doch eine ganz einfache Lösung. Steck den Hufi in ein knalloranges Hemd (rot geht nicht, da diese Farbe zu häufig zur Berufsbekleidung in Großmärkten gehört), dann gibt’s auch keine Verwechslung mehr mit fremden Männern, und binde ihm ein kleines Glöckchen um. Das sollte das Wiederauffinden enorm erleichtern.
Andere Möglichkeit, wenn er mal wieder so abgetaucht ist, versteckst Du Dich einfach auch. Du mußt dann aber Geduld haben und nicht vorzeitig wieder auftauchen, sonst funktioniert es nicht. Irgendwann sucht der Hufi dann nämlich Dich! Und wenn er Dich nicht gleich findet, kriegt er einen Schreck und dann bleibt er zukünftig doch lieber gleich in Deiner Nähe, weil er möchte Dich ja schließlich nicht im SUpermarkt verlieren, wo doch da so viele Frauen rumlaufen mit blondem Haar und T-Shirts wie seine Pepa! ;o)
Ich fürchte, wenn ich mich verstecke, muss ich nicht nur Geduld haben, sondern mich lieber gleich auf eine Nacht zwischen Konserven- und Kaffeeregalen einrichten.
Nein halt, spätestens am Auto sollte dem Huf auffallen, dass da irgendetwas fehlt. ;-)))
(Knallorange ist gut – vielleicht geht auch infragelb?)
*vor die Stirn schlag* … klar, infragelb ist ja noch viel besser!! ;o)
liebe pepa, die neue mode der kindererziehung will es ja, dass kleine kinder angeleint werden. das könnte so manches problem lösen …
und huf, tomatendosen studiert man nicht alleine – macht doch gar keinen spaß, mensch!
Ich stell mir grad vor, wie du den Huf in diesen Klapp-Kindersitz im Einkaufswagen stopfst und mit ihm durch den Supermarkt schiebst…*beinebaumel*…*gnihihihi*…
Spüre ich da gerade so etwas wie ein bisschen Gehässigkeit in den Zeilen der Kommentierenden? Kann das sein?
@ Minimoppel: Wie soll das denn gehen: im Wagen sitzen und ihr zugleich schieben? (Wie häufig musste ich den Wagen suchen, wenn ich ihn nicht selbst geführt hatte, weil von den andern jeder dachte, der andere (mindestens aber der Huf) passe auf ihn auf?) Ich sitze dann im Wagen irgendwann zwischen Katzenfutter und Ketchup abgestellt? Allein? Hilflos? Verlasen, weil irgendwo ein Supersonderangebot aus um die Ecke blitzt?
@ Creezy; Leine? Leeieiieieiene? Reichen nicht die Leinen des täglichen Lebens, des Alltags, der Politik und Unpolitik, der Gängelungen durch die GEZ und AGB? Ist es nötig, dass ich dir einen Freifarhrtschein zum U-Bahnhof Westhafen spendieren muss? Oder fliegst du nur noch?
Und was heißt denn bitte „kleine Kinder“ in diesem Zusammenhang?
Ich kann wirklich allen nur empfehlen, langsam etwas temporal abzurüsten. Am Ausgang sieht man sich spätestens wieder. Wobei mir eine Geschichte einfällt, dass mein Vater und ich uns einmal am Ausgang der IFA in Berlin verabredet hatten. Er wartete innen, ich außen.
Okee, okee, okee!
Ich setzte mich in den Einkaufswagen – bin ja viel handlicher und passe da besser rein.
Also falls ihr dann irgendwann einmal in einem groooßen Supermarkt einen Einkaufwagen seht, in dem eine kleine, mittlerweile vielleicht ein wenig pummelige, schon etwas ältere, graublond-melierte Frau in Kostüm und mit Perlenkette sitzt, geschoben von einem etwas größeren, ein wenig abwesend, vergeistigt wirkenden Mann mit Brille, hoher Stirn und in blaukariertem Hemd – das sind dann wir.
:-)
Eine meiner Lieblingsnäherinnen, vegbee aus Kanada hat da die Lösung: http://indietutes.blogspot.com/.
Auch wenn Glöckchen in verschiedenen Varianten sicherlich helfen, herumwandernde Familienmitglieder sicher zu orten… ich kann sie nicht leiden. Ich werde immer leicht raschelig, wenn junge Menschen mit an ihre Taschen genähten Glöckchen bimmelnd um mich herum laufen.
Als etwas technischere Lösung dann vielleicht RFID-tagging mit GPS gekoppelt?
Wie funktionieren eigentlich diese elektronischen Fussfesseln? Und gibt es die auch mit eingebautem Elektroschocker?
Liebe Kollegin,
wir machen es uns ganz einfach. Akustische Signale setzen. Wir haben einen Pfiff, der ist unaufdringlich aber durchdringend. Und diesen ständig vor mich hin flötend schiebe ich durch das Einkaufsparadies bis mir einer antwortet. Diesen Pfiff kann auch nur meiner, und ihr beide könnt Euch doch bei Eurer Musikalität bestimmt eine hübsche Melodei einfallen lassen.
Wenn das alle so machen, ist es bald so schön wie im Wald im Supermarkt. Nachtigall ick hör dir trapsen.
Marion, der Link ist ja prima! Am besten gefällt mir aber nicht das Glöckchenarmband, sondern dieser tolle Rock aus karierten Hemden! :-)
Hm, diese ganzen Fußfessel-/Chipgeschichten – neenee, für die Katz wurde uns so etwas vom Tierarzt empfohlen, aber ansonsten, nee, da gefällt mir die Lösung von der Frau Dokse doch am besten.
(Ich
sehehöre uns beide schon durch den Laden trällern – vielleicht kann der Huf ja noch das Xaphoon mitnehmen, so papagenomäßig ;-) )Ach, verlassen Sie sich doch einfach auf das Gefühl. Sie haben sich im Leben gefunden, was werden Sie sich im Supermarkt verlieren.
Muss gemeinsames Einkaufen sein? Wir mögen das Einkaufen ja beide nicht. Deshalb wird es ganz schnell auf dem Heimweg von der Arbeit erledigt. Da hat jeder seinen Supermarkt, wo er blindlings in die Regale greift, um das Gewünschte zu fassen (wehe, es wird umgeräumt!). Nur samstags leisten wir uns den gemeinsamen Bummel über den Markt. Der ist zum Glück sehr übersichtlich, und wir haben eh nur vier/fünf Stände, an denen wir kaufen.
Croco, das stimmt! So habe ich das noch gar nicht gesehen!
Su, der Huf geht gern einkaufen – ich nicht sooo sehr, aber da es Tage gibt, an denen wir uns entweder gar nicht, oder nur hinterm Schreibtisch sehen, gehen wir halt gemeinsam einkaufen.
Und Markt ist richtig toll – wir haben hier auch so einen kleinen schnuckeligen. Der ist immer am Samstag dran und dann mit frischem Gemüse und Blumenstrauß, Kuchen und allem drum und dran. :-)