Für einen Jahresrückblick ist es eigentlich schon zu spät, den erledigt man doch im alten Jahr.
Nun gut, meinen Jahresrückblick konnte ich erst gestern am Abend abschließend ergänzen – mit dem letzten Foto für das Projekt, das mir am 1. Januar 2014 als toller „guter Vorsatz“ durch den Kopf schoss, das mir am 2. Januar 2014 bereits wie der hirnrissigste Plan ever vorkam; das mich an manchen Tagen genervt, mich aber durchaus auch durch eine schwere Zeit getragen hat.
Drüben im Kollektiv nun der Dezember und ein kleines Resümee meiner 365 Tage.
2015 wird für mich ganz sicher ein Jahr der großen Veränderungen.
Privat lebe ich erstmals seit 22 Jahren ohne meine Kinder in einem Haushalt. Im Dezember ist nun auch der Große ausgezogen, Tochter wohnt, wenn sie nicht ohnehin im Hessischen studiert, auch nicht mehr bei uns, sondern bei ihrem Freund in Berlin.
Für meine Mutter muss ich ganz sicher auch in diesem Jahr noch ein Lösung bezüglich ihrer Betreuungssituation finden und beruflich wird sich auch einiges bei mir verändern.
Und wie das mit Veränderungen immer so ist, sie fordern Konzentration und Energie. Beides habe ich momentan noch nicht wieder in dem Maße zur Verfügung, wie vor der langen Krankheitsphase im letzten Jahr.
Weder kann ich mich wieder uneingeschränkt bewegen, noch fühle ich mich allgemein physisch und vor allem psychisch stark genug, um mich durch all das durchzukämpfen – denn ohne Kämpfe und Anstrengung wird es nicht abgehen.
Meine fast 4-monatige, weitgehende Immobilisation hat mir gezeigt, wie schwer ich den Rest der Zeit an der mir übertragenen Verantwortung – ganz im Vordergrund die für meine Mutter, aber nicht nur die – trage.
Dieses „selbst-wenn-ich-wollte-ich-kann-das-jetzt-nicht-erledigen“ war zwar zermürbend, gleichzeitig hat es mich aber auch zu einer Ruhe gezwungen, die ich wohl noch einige Zeit gut gebrauchen könnte. {jammermodus-off}
Mal sehen, wie es weitergeht.
5 Kommentare zu “365 Tage des Jahres 2014”
{jammermodus-on}Oh je, oh je. Jammern ist manchmal ganz gut.
Geht es denn so gut, dass es für ein etwas Reha-Sport reichen würde? Nicht nur, um physisch ein bisschen in die Gänge zu kommen, sondern auch zwecks wegen der der sozialen Kontakte und dem sich wieder Einlassen auf ein bisschen Tretmühle, Termine und vorgegebene Abläufe.
Gibt es, soweit ich weiß, noch nicht in Verbindung mit Hundesport :-)
Ja, jammern tut manchmal wirklich gut. :)
Reha-Sport habe ich schon auf dem Schirm, momentan gehe ich zwei- bis dreimal in der Woche zur Physiotherapie. Die Narbe, die sich seitlich am Knie entlang zieht, ist einfach sehr breit und mit dem Untergrund verbacken, sodass die Kniebeugung nicht vollständig möglich ist (in die Hocke zu gehen versuche ich zwar immer wieder, weil ich vergesse, dass da was ist, es funktioniert aber einfach nicht und ist auch ziemlich schmerzhaft.)
Was die Tretmühle angeht: Seit November arbeite ich schon wieder – auch mit ordentlich Überstunden, aber das ist eigentlich gar kein Problem (bis auf die Tatsache, dass ich noch nicht lange am Stück sitzen kann, aber auch das lässt sich irgendwie regeln). Was etwas mehr Energie erfordern wird, ist die Tatsache, dass ich ab sofort in einer anderen Funktion arbeiten werde. Da muss ich mich erstmal einfrickeln – was ich im Grunde ja ziemlich cool finde, wofür ich aber einen sehr klaren Kopf benötigen werde.
Was mich momentan wirklich sehr belastet, ist die Situation mit meiner dementen Mutter.
Gerade eben hat sie wieder angerufen, war ganz aufgeregt, weil sie uns etwas ganz Wichtiges sagen muss, wusste aber natürlich nicht, was das eigentlich gewesen sein könnte. Das wäre im Grund ja noch nicht weiter schlimm, nur weiß ich jedes Mal nicht, ob nicht wirklich irgendetwas Dramatisches dahinter steckt.
Ihr Kurzzeitgedächtnis ist mittlerweile so beschädigt, dass sie ihr Essen, das ihr der fahrbare Mittagstisch anliefert, meist in den Kühlschrank stellt, von wo aus wir es unangebraucht wegschmeißen müssen. Sie behauptet dann aber, sie hätte es gegessen, habe keinen Hunger, nimmt aber auch nicht ab. Offenbar ernährt sie sich von Milch und Keksen, die sie jeweils in großen Mengen bei uns einfordert. Das ist auf die Dauer keine Lösung.
Ihre Brille hat sie am Heiligen Abend versteckt und findet sie jetzt nicht wieder. Wir auch nicht. Eine neue anfertigen zu lassen, dürfte aufgrund der Demenz recht schwierig sein – mal abgesehen davon, dass ich mir dafür einen Tag Urlaub nehmen muss.
Das sind nur ein paar Beispiele einer Situation, die mich insgesamt ziemlich fertig macht, denn in mir reagiert ja nicht die erwachsene Ärztin, sondern auch und primär psychisch die Tochter. Und alles, was mich als Kind schon wahnsinnig an meiner Mutter genervt hat und was bei ihr jetzt nicht mehr von ihrem Verstand übertüncht werden kann, lässt in mir regelmäßig kindliche Wut hochkochen, die es dann zu unterdrücken gilt.
Gerade vorhin habe ich zum Huflaikhan gesagt, dass diese sich immer und immer wieder im Kreis drehende, ins Nichts laufende Kommunikation mit meiner Mutter, jedesmal ein Schlag ins Genick für mich sei. Er grinste nur und meinte, na dann weißt du ja, wo deine Nackenschmerzen herkommen. Psychosomatik pur – wie aus dem diagnostischen Bilderbuch. Und klar, die Fehlhaltung aufgrund des langen Gehens an Gehstützen war hier auch nicht förderlich.
Wie dem auch sei, ich habe einen Höherstufungsantrag (Pflegestufe 1 wäre langsam angesagt) gestellt. Wie sich Muttern bei der Begutachtung darstellen wird, weiß ich schon: Sie kann noch alles, macht noch alles, braucht überhaupt keine Hilfe und überhaupt.
Aber so geht diese Erkrankung nun mal – es ist nur schwer, damit als Angehöriger umzugehen.
Liebe Pepa,
durch mein ehrenamtliches Arbeiten in der Tagesstätte für Demenzkranke alle zwei Wochen und durch die Erkrankung meiner [bereits gestorbenen] Oma kann ich mich ein bisschen einfühlen. Pflegestufe 0 hat sie hoffentlich schon? Die ist speziell für Demenz und ähnliches eingeführt worden, ich glaube erst im letzten Jahr. Die 1 ist, soweit ich weiß, „nur“ mit Demenz nicht ganz einfach zu bekommen, so lange sie körperlich fit ist.
Ich drücke dir die Daumen, dass das gerade angebrochene Jahr gut wird!
Danke Rebekka! Dir auch ein gutes neues Jahr! :)
Ja, die 0 hat sie seit knapp 2 Jahren. Für die Pflegestufe 1 müssen 45 min Grundpflegebedarf (z.B für Nahrungsaufnahme, Körperpflege) pro Tag anfallen und zusammen mit dem Zeitvolumen für hauswirtschaftliche Hilfe von mindestens 1 1/2 Stunden pro Tag Pflegebedarf bestehen. Da sie mittlerweile nicht mehr zuverlässig allein isst und oftmals nicht mehr weiß, wie sie die Nahrung zerkleinern kann, die Körperpflege genau aus diesen Gründen nicht mehr klappt, habe ich den Höherstufungsantrag gestellt. Allein mit der Pflegestufe 0 kann man den Pflegebedarf nicht annähernd abdecken – es könnte dennoch eng werden.
ich glaube, vielen Menschen ist überhaupt nicht bewußt, dass man allein mit der Pflegeversicherung eine adäquaten Pflege meist nicht finanzieren kann – dennoch ist es natürlich gut, dass es sie überhaupt gibt. Auch wenn die Dementen bislang – trotz bereits seit Jahren beschlossener, aber nicht umgesetzter Reform der Begutachtungsrichtlinien, hinten runter fallen.
„ich glaube, vielen Menschen ist überhaupt nicht bewußt, dass man allein mit der Pflegeversicherung eine adäquaten Pflege meist nicht finanzieren kann“
Ja. Alles Gute euch dafür!