Oder auch dddDvdd (die dicke doofe Dogge von da drüben), ist unser neuestes quasifastnoch nachbarschaftliches Problem.
Das ist nämlich so: Die Besitzer der Häuser wechseln hier bei uns im Reichenreservat (in dem wir uns wie lediglich geduldete Sozialfälle fühlen, so mit ohne drei Porsches, Ferraris oderwasweißichfürteuren Vehikeln in der Garage) recht häufig.
Der eine oder andere hat sich hier wohl schon so nachhaltig verzockt, dass er – oh Schmach, oh Schande – die Edelbutze verkaufen und in eine Mietwohnung umziehen musste. Jedenfalls stand auf diese Art und Weise bei uns in der Straße über lange Zeit ein Haus zum Verkauf: Gefaktes Fachwerk, 300 m² grottendunkler, dafür luxuriös gestalteter Wohnfläche (man munkelte, die Wasserhähne seien aus purem Gold) für den Spottpreis von knapp einer dreiviertel Mio ….und keiner wollte es haben.
Eingezogen ist nun vor einigen Wochen eine Luxusfamilie, zu deren Statussymbolen neben den besagte Fahrzeugen die o.g. ddD zählt.
Die erste Begegnung mit der ddD hatten wir an einem grauen, kalten Tag Ende März. Es dämmerte bereits, so dass ich das etwa 60 bis 70 Kilo schwere, adipöse Vieh, das hinten an dem mächtigen gefletschten Gebiss dranhin zunächst gar nicht bemerkte. So konnte ich auch den Adrenalinbolus, der mir durch das Gefäßsystem schwappte, als die ddD mit Getöse und weiterhin entblößtem Kauapparat auf unser Frollein zugerast kam, das bereits der nahen Straße wegen angeleint war, so richtig genießen.
Nami, auch nicht faul, verwandelte sich binnen Millisekunden in einen zwar sehr sehr viel kleineren, aber nicht minder erbosten Fellball mit Zähnen, ließ sich aber bereitwillig hinter mich schubsen, so dass ich mich gut zwischen das Frollein und die um uns herumtänzelnde ddD stellen konnte. Dass ich mich dabei immer wieder um meinen eigenen Hund drehen musste, sah sicher vollkommen bescheuert aus, aber die ddD schien wild entschlossen, das Frollein zum Abendbrot zu verspeisen und versuchte dementsprechend von der Seite zu attackieren.
In der Zwischenzeit war auch schon ein hysterisch kreischendes, junges Luxusfrauchen angesprungen gekommen, das vergeblich versuchte, der ddD habhaft zu werden. Das mit dem Abrufen hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits aufgegeben.
Keine Ahnung wie, aber irgendwie konnten wir entkommen, hörten aber im Abgang noch, wie Luxusfrauchen einen der Luxusnachbarn anweinte, dass das alles nur daran gelegen habe, dass unser Hund angeleint war. Das hätte die ddD provoziert….
Was mich wiederum dazu provozierte, mich umzudrehen und irgendetwas Unfreundliches von wegen „ja klar, das Opfer ist immer schuld“ über die Straße zu brüllen. (Unseren Prollstatus haben wir hier eh weg, da kann ich mich dann auch entsprechend benehmen, wa?)
In der Zwischenzeit sah man den (alten) Herrn des Hauses in gefährlicher rückwärtiger Schieflage mit der wie ein Ackergaul an der Leine ziehenden ddD die Straße queren, bwz. einen gut frisierten blonden Jüngling in weißem Hemd, weißer Hose, weißen Tennisschuhen und grauem Pullunder zunächst mit der frei laufenden ddD lässig in den, später mit der angeleinten ddD, in oben beschriebener Schieflage und in nicht mehr ganz so blütenweißer Kleidung aus dem regenmatschigen Wald flanieren.
Gestern war es dann wieder so weit. Der Huf, das Frollein und ich marschierten entspannt aus dem Wald in Richtung unserer Straße.
Die ddD stand, wie bereits beim ersten Zusammenprall, etwa 20 Meter von uns entfernt dämlich glotzend im Unterholz.
Luxusfrauchen rief… und rief und rief, während die ddD ihre Massen grollend in Richtung unseres brav an der Leine laufenden Frolleins in Bewegung setzte. Luxusfrauchen rief immer noch, mit sich bereits überschlagender Stimme, stampfte mit den Luxusfüßchen auf und wurde zunehmend weinerlich, was die ddD nicht im mindesten beeindruckte.
Frollein Nami meinte kurz, es wäre eine gute Idee, jetzt auch mal loszuprollen, ließ sich aber von einem gewaltigen Anraunzer meinerseits sehr schnell davon überzeugen, dass losprollen aber auch so gar keine Option ist, sondern wir uns gesittet- und sie gefälligst anständig bei Fuß gehend – aus dem Wald entfernen, während Herrchen Huflaikhan sich die ddD mal näher besehen würde.
Nun ja, nach dem gestrigen Vorfall kann man mit Fug und Recht behaupten, dass der Huflaikhan seine Hundeangst überwunden hat. Jedenfalls ist er auf die ihr Gebiss präsentierende ddD langsam und drohend zugegangen. Sehr langsam, aber so drohend, dass die ddD zunächst erschreckt rückwärts laufend und schließlich im vorwärtigen Schweinsgalopp die Flucht ergriffen hat.
Das Frollein und ich sind mächtig stolz auf Herrchen Huf und immerhin hat sich Luxusfrauchen diesmal entschuldigt.
(Ich hoffe nur, die ddD lässt sich weiter von uns so beeindrucken. Ansonsten sehe ich recht dunkel für ein entspanntes Miteinander.)
16 Kommentare zu “Die ddD”
ach du sch…
sowas ist ziemlich blöd in der nachbarschaft, andererseits: da rechnet man dann nach einer weile damit und ist vorsichtig. wenn so ein dämliches kalb unvorbereitet um die ecke schiesst ist holland in not.
aber frau ministerin wird das schon meistern. ich nehme einmal an, sie ist mit sicherheit schneller als eine dogge, und auch wendiger und ausdauernder. nur mit der kraft wird das so eine sache mit so einem riesenvieh.
Es geht ja das Gerücht um (weiß nicht, ob es wirklich den Tatsachen entspricht), dass große Doggen nicht wirklich beißen können, höchstens ein bisschen „knapsen“.
Die Story hat mich an etwas aus meiner Kindheit und Jugend erinnert. Da gab es einen kleinen Vietnamesen (sehr klein uns sehr sehr schmal), der immer eine riesige Dogge spazierenführte. Die Dogge hatte quasi seine Größe (Körperhöhe – Hals und Kopf aufgerichtet natürlich noch ein bisschen höher). Obwohl ich mit Hunden immer gut konnte und schon von Kind an ein Gespür dafür hatte, ob einem Hund zu trauen war oder nicht (egal, was der Besitzer sagen mochte), schlug mein Herz immer etwas höher, wenn ich den kleinen Vietnamesen mitsamt Dogge daherspazieren sah. Ich konnte immer nur denken, wenn die Dogge loszieht, geschweige denn losspringt, ist alles aus. Der kann den Hund nie im Leben festhalten. Habe dann immer schön die Straßenseite gewechselt. Damals habe ich irgendwann das erstemal gehört, dass das mit der Dogge nicht so schlimm sei, weil die eben angeblich nicht richtig beißen können. Sonderlich beruhigt hat mich das damals allerdings auch nicht.
Frau Kelef, meine stille Hoffnung ist es auch, dass Nami das schon irgendwie hinbekommen würde. Wir dürfen ihr nur nicht das Gefühl vermitteln, sie müsse uns verteidigen. Sie wird schon auf der Straße unruhig, wenn ich nur jemanden nicht sonderlich sympathisch finde und mich beim unsympathisch finden nicht auf das Frollein konzentriere, also sie in diesem Moment nicht ausreichend führe.
Liisa, auch wenn ich es noch nicht gehört habe, dass Doggen nicht richtig beißen können, ich habe komischerweise überhaupt keine Angst vor den Zähnen des Riesenviehs. Eher vor der Schwungmasse. Im Grunde eine arme Hundesau, stark überfüttert und ohne Orientierung.
Ich denke, das wird gestern nicht die letzte Begegnung geblieben sein.
Warum sollte eine Dogge nicht beißen können? Bei ihr ist doch anatomisch nichts anders als bei anderen Hunden. Ganz im Gegenteil, sie überbietet einen Mali ganz locker in der Beißkraft. Es gibt da ein schönes Video von National Geographic, in dem die Beißkraft der Hundetypen gemessen wurde. Fazit: Malis und andere Hunde setzten bei den Angriffen ganz auf Geschwindigkeit und Agilität, während der Molosser im Test „simply relied on his weight“. Die Beisskraft eines Malis im Test lag bei etwa 230 Pfund, der Mastiff, den sie dabei hatten, kam auf über 300 Pfund mehr, so weit ich mich erinnere. Das wird bei einer Dogge in ähnlicher Gewichtsklasse nicht so viel anders aussehen.
Ah, hab’s gefunden:
http://www.youtube.com/watch?v=cQyWbjPRsDg
Uns hat mal eine Dogge einen unserer Ridgeback-Rüden zerlegt, der selbst 40 Kilo hatte. Sah hinterher aus wie Frankensteins Monster. Kurzum, eine Dogge kann natürlich zubeißen, wie andere Hund auch, und wenn sie zupackt, dann ist da schon mehr Kraft dahinter als bei anderen Vierbeinern.
Oh! Ein Fall für den lieben J., würde ich meinen. Ein Sträußchen für den Huf, ein Keks für Nami. Hier gab es eine Tierärztin mit dD- Dame, welche sich einen meiner Rüden mal direkt vom Fahrrad „weggepflückt“ hat, in tatsächlich mörderischer Absicht(Sonst sei die aber immer gaaanz lieb, lag auch an meinem Hund, weil der kastriert war…) In solchen Momenten hat man definitiv keine Angst vor so einem Vieh. Habe das Fahrrad hingeschmissen, Dogge mit aller Kraft an den Hinterbeinen hochgehoben, gestaucht, damit sie ihr Maul aufmacht und dann verkloppt. Hätte die Besitzerin ebenso verdient, aber mein schwer verletzter Hund musste umgehend in die Klinik. Hatte dann eine Naht von der Wirbelsäule bis zum Bauchnabel. Lunge war unverletzt, zum Glück. Der Hund musste dann mit Maulkorb laufen. Habe ihn nicht weiter gesehen.
Gut, dass Nami sich von Euch zur Ruhe bringen lässt. Ich würde mir etwas einstecken, was man zur Not der DD über die Nase ziehen kann, angsfrei, das macht sich immer gut. Ich würde der Luxustruppe aber den Tipp zum H- Flüsterer geben. Sonst drohe tatsächlich Maulkorb, kann man ja mal erwähnen…
Oh shit! Vor so etwas habe ich Angst (glaube aber auch, dass ich das Vieh versuchen würde, eigenhändig zu erwürgen/vermöbeln.)
Auf der anderen Seite habe ich aber auch keine Lust, Nami jedes Mal ins Auto zu packen um 10 Kilometer weiter das gleiche Hundeauslaufgebiet zu erreichen.
Muss den J. unbedingt fragen, ob ich ihn an die Herrschaften weiterempfehlen darf.
Nö, ich würde keinesfalls das Gebiet wechseln. Schließlich alles Deins/Euer. Wie beim König Drosselbart ;) Nach diesem Vorfall schrecke ich quasi vor nichts zurück. Bleibt entspannt und faucht das/die Wesen ordentlich an… Herzliche Grüße an den lieben J.
alles nicht schön, die entspannung ist erst mal weg,
ich hoffe, die situation wird sich bald regeln.
Ich werfe mal (frei von jeder Fachkenntnis) das Wort „Pfefferspray“ in die Runde.
Wie man sieht, bekommt man in den falschen Händen wirklich jeden Hund versaut. Doggen sind doch normalerweise die geruhsamsten und freundlichsten Hund, die es gibt. Wenn ich ein Chalet (mit Park) und kein schnödes Reihenhaus hätte, würde ich vielleicht auch mir eine zulegen… :)
Das mit der angeblich fehlenden Beißkraft ist aber auch eine sehr schöne Legende. Wurden diese Hunde doch für die Großwildjagd gezüchtet.
manchmal ist es möglich, mit den besitzern der tölen ein vernünftiges wort zu sprechen und denen ratschläge zu geben.
bedauerlicherweise musste ich allerdings in den jahrzehnten hundehaltung die ich hinter mir habe feststellen, dass die beratungsempfänglichen sich sowieso von vornherein erkundigen und hilfe holen. den anderen kann man nur mit massiver gewalt (polizei, anzeige, etc.) beikommen. kein geistig gesunder mensch legt sich so ein riesenvieh zu und erzieht es nicht resp. lässt sich zusammen mit dem hund erziehen. auch wenn 60 oder 70 kg hund nur spielen wollen: mensch liegt auf jeden fall einmal auf dem rücken und hat mit ein wenig pech gebrochene rippen. muss ja alles nicht sein.
nami ist sicherlich schnell, wendig und klug genug sich in sicherheit bringen zu können, aber die gefahr besteht ja (resp. die wahrscheinlichkeit), dass sie versuchen wird ihre menschen zu schützen, und das geht dann vielleicht nicht so gut aus.
das gebiet räumen ist allerdings sicherlich falsch, und auch trügerische sicherheit – man kann nicht immer ausweichen wenn so was in der nachbarschaft lebt. ein hund muss erzogen sein und gehorchen, oder so geführt werden dass man ungefährdet daran vorbeigehen kann, punktum.
und auch wegen der anderen: es kann ja nicht sein dass die eingeweihten flüchten und die, die nur einmal dann auf einen sonntagsspaziergang – um kind und mops eine freude zu machen – dann mit einem zerlegten hund, zerbissenen händen und einem traumatisierten kind den tag beschliessen.
Ja Marion, die Entspannung ist weg – zumindest so lange, wie wir die Straße hinunter laufen und auch im ersten Teil des Waldgebiets. Weiter hinten geht es dann wieder, da habe ich die Dogge noch nicht gesichtet. Das ist enorm anstrengend und genau das sollte es ja nicht sein.
Pfefferspray, MiniMoppel, daran habe ich auch schon gedacht. Vermutlich würde ich da aber nicht nur die Dogge, sondern auch die Nami erwischen. Generell würde mir ja ein, ähem, pharmakologisches Eingreifen liegen (bei den Menschen habe ich mit der Spritze in der Hand bislang auch immer gewonnen) und eine olle abgelaufe Ampulle Keta habe ich hier sicher auch noch irgendwo rumfliegen. Zum einen wäre ich aber zu langsam, wenn ich erstmal das Zeug aufziehen müsste, andererseits ist es sicher viel zu wenig und wer weiß, was die Dogge erst anstellt, wenn sie halluziniert.
Kai, ja genau, das trifft es: Die falschen Hände.
Nachdem einer der Herrschaften seine Luxuskarosse gestern mit Schmackes rückwärts aus der Einfahrt auf die Straße verbracht hat, sodass Sohnkind (der die Frechheit besaß, eben jeden Straße der StVO gemäß mit dem eigenen Schrottvehikel zu nutzen) gewaltig in die Eisen steigen musste, dem Sohnkind erstmal einen Vogel zeigen musste, sehe ich recht dukel. Die werden sich wohl nix sagen lassen, von wegen, das Tier müsse mal zum Hundeflüsterer.
Nichtsdestotrotz, liebe Carodame, habe ich die Grüße gerade eben ausgerichtet und ich soll nun wiederum ausrichten: DANKEEEH! :-)
Oh Frau Kelef, wir waren wohl parallel am Schreiben.
Ja, das sehe ich genau so und werde das in jedem Fall nicht unkommentiert hinnehmen.
Mal sehen was sich machen lässt, zur Not mir Ordnungs- bzw. Veterinäramt. Aber wollen wir mal hoffen, dass es nicht so weit kommt.
Und wenn ich gerade wieder sehen konnte, wie sicher sich unser Frollein inmitten des Riesenrudels, in dem es ja neben großen Hunden auch riesengroße Hunde (u.a. eine Dogge) sog. Kampf- und sonstwas für Hunde gibt, bewegt, dann habe ich noch weniger Lust, mir das durch so ein Statussymbol im Hundefell kaputt machen zu lassen.)
manchmal habe ich übrigens gute erfolge bei missliebigem verhalten meiner mitmenschen erzielt, wenn ich die kamera in ihre richtung richtete. man kann ja auf der strasse fotografieren was man will, und wenn mehr als drei oder vier menschen auf einem bild sind dann ist das ja auch mit dem persönlichkeitsrecht und so – so eine sache, sagen wir einmal so. wenn man dann bilder mit verschiedenen menschen hat, die von dem tierchen über die gasse gezogen werden stärkt das die argumentation immer ungemein. gesichter kann man ja zudem verpixeln.
kleine zarte blonde blauäugige frau dokter mit kleinem braunen wohlerzogenen hundsi fürchtet sich … da kann man schwer dagegen argumentieren. man muss ausnutzen was einem gott gegeben hat, wozu hätte er sonst? notfalls nehmen sie einfach auch noch die tochter mit, doppelt hält besser.
Hihi, gute Idee! :-)
@Kai: Es gibt kein „normalerweise“. So einfach ist das.
„Normalerweise sind Kinder freundlich.“ Manche treten in der U-Bahn Leute tot.
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