Oma sucht was


Das tut sie seit geraumer Zeit recht oft.
Auch dass sie vergisst, was sie eigentlich sucht, kennen wir schon.
Dass sie weitersucht, obwohl sie nicht mehr weiß, was sie sucht, das ist ist auch schon mal vorgekommen.
Dass sie aber stundenlang weitersucht, obwohl sie nicht mehr weiß, was sie sucht – das ist neu.

Dennoch: Sie kann sich noch weitestgehend selbst versorgen. Sogar einkaufen geht sie noch.
So lange es irgendwie geht, werde ich sie nicht bevormunden. Nur Hilfestellung geben, wo es notwendig wird.
Es ist der Alltag, der die Abenteuer bereithält.


13 Kommentare zu “Oma sucht was”

  1. Hm, klingt für mich noch relativ entspannt. Dann hat sie wengstens eine Beschäftigung…

    Solange sie weiss das sie schon gegessen hat, Medikamente genommen hat und noch alleine auf Toliette gehen kann und ihre Körperhygiene im Griff hat ist das für mich noch im grünen Bereich.

    Das kann nämlich sehr schnell um schlagen, sehr sehr schnell. Von daher: lass sie suchen. Such ein bisserl mit. Hilft allen.

  2. Solange sie gefahrlos auf der Suche ist…
    Hilfestellungen sollten reichen. Es kommt so oder so. Je entspannter Ihr damit umgeht, um so weniger wird alles zum OJE.
    Übrigens schaffe ich auch maximal erst KURZ vor Mitternacht ins Bett zu kommen…
    Weiterhin schönen Advent.

  3. Im alltäglichen Handling des „Problems“ sind wir/bin ich in der Tat (noch?) relativ entspannt. Ist ja auch nicht die erste Person mit nachlassender Geisteskraft, der ich begegne/die ich behandele.

    Auf einer ganz anderen Ebene trifft es mich aber tief. Es ist meine Mutter, die sich da gerade mental verabschiedet und die immer mehr zu einer anderen Person wird. Es trifft mich nicht auf der intellektuellen und auch nicht so sehr auf der lebenspraktischen Ebene, ich spüre es eher körperlich. Aber da müssen wir alle irgendwann, irgendwie durch. Ein sehr enges Verhältnis zur betroffenen Person ist da Fluch und Segen zugleich.
    So geht halt „Leben“.

  4. Oh, ja, kenne ich. Auch wir hatten unsere Ma noch lange in ihrer Wohnung gelassen. Da wir Kinder weiter weg wohnten, kümmerte sich eine „Zugehfrau“ um sie, ich fuhr 1x die Woche abends und am Wochenende hin. Das Wort „Heim“ wurde ganz hinten angestellt. Wir haben das auch so lange wie möglich hinaus gezögert.
    Aber irgendwann ging es wirklich nicht mehr. Nun lebt sie in meiner Nähe in einem Heim. Ihr geht es gut. Ihre Demenz ist Gott sei Dank noch nicht so fortgeschritten, so dass sie uns und auch andere Verwandte noch erkennt, und bislang nur Pflegestufe 1 braucht.
    Liebe Grüße

  5. Wir haben meine Mutter ja im letzten Jahr hier zu uns in die Nähe geholt und da wir momentan noch ganz gut aufgestellt sind (Sohnkind übernimmt teilweise das Einkaufen – wie gesagt, sie kann das weitestgehend noch selbst – und fährt die Oma zu Terminen, wenn ich nicht kann und spielt auch mal die Vorhut, wenn sie irgendeinen Mist gebaut hat, z.B. falsche Medikamente genommen hat…oder das zumindest meint…na, Du weißt ja, wie das ist), können wir eine Heimunterbringung vielleicht noch etwas weiter hinauszögern. Die Karten werden neu gemischt, wenn der Große im nächsten Jahr – wie er geplant hat – für ein Jahr ins Ausland geht. Aber so weit kann man in diesen Fällen eh nicht planen.
    Und die Pflegestufen, die orientieren sich ja leider immer noch an den rein körperlichen Fähigkeiten. Soll ja schon ewig geändert werden, ist es aber eben noch nicht.
    Und da viele Demente (wie meine Mutter eben auch) körperlich noch ganz gut in Schuss sind (Mutter bekommt ihre Füße trotz Übergewicht und 83 Jahren noch in ballettöse Höhen), gehen sie da leer aus.

  6. Soweit ich weiß, gibt es auch jetzt schon Betreuungsgeld für Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz. Mit der Pflegereform 2013, die m.E. verabschiedet wdurde, sollen die Leistung etwas verbessert werden.
    Natürlich handelt es sich immer noch um Kleinstbeträge, aber vielleicht wäre dem betreuenden Sohnkind und auch der Mutter etwas geholfen.
    Aber wie gesagt, Angaben überprüfen, trifft mich mein Spezialgebiet!

  7. Ja, das stimmt. Danke für den Hinweis!

    Wenn die Einschränkungen der Alltagskompetenz weiter fortschreiten (was sie zwangsläufig tun werden), werde ich da ganz sicher einen entsprechenden Antrag stellen (müssen). Momentan kann sie ja, wenn sie sich zusammenreißt, noch recht viel – zumindest an guten Tagen.

  8. Ja Carodame, die Rollenumkehr – wobei, das ist schon sehr lange ein eher gleichberechtigtes Verhältnis – und vor allem die in manchen Momenten antizipierte Trauer. Ist ein gutes Lehrstück, hier immer wieder nur zu sehen, was gerade ist und nicht was in Zukunft sein wird.

    Danke Wendelbald. Du hast das ja auch schon durch und das war sicher noch viel härter, als bei mir hier im Moment. Und Du hast das mit meinem Vater ja auch schon miterlebt, nee, miterhört eher ;).
    Deshalb: Fühl‘ Dich mal ganz fest zurückgeärmelt.

  9. „ich spüre es eher körperlich“ – ich glaube, das ist das kleine kind tief drinnen, das nicht alleingelassen werden will. umarmen hilft da bestimmt am besten, am besten die oma gleich mit, und pralinen natürlich.

  10. Ja das stimmt, das ist das kleine Kind, tief drinnen, das noch keine Worte hat.
    Und im Abschied nehmen bin ich ohnehin ganz schlecht.

    Umarmen hilft und mit der Oma rumalbern.
    Gemeinsam essen auch – auch wenn sie zehn Minuten nach dem Essen schon nicht mehr weiß, was sie gegessen hat – nur dass es gut geschmeckt hat, das weiß sie dann noch. Reicht ja eigentlich auch.
    Und Pralinen helfen und (neuerdings, dank Marion) Schokolikör. Den fanden hier alle lecker, auch und besonders die Oma. :)