Bei Kokain-Usern ist man auch und gerade als Anästhesist ohnehin in Hab-Acht-Stellung, bei Ritalin-Usern bin ich es auch.
Schließlich ist auch dies eine Droge mit kardiovaskulärer Wirkung (und der Artikel im N Engl J Med aus dem Jahr 2006).
Bei Kokain-Usern ist man auch und gerade als Anästhesist ohnehin in Hab-Acht-Stellung, bei Ritalin-Usern bin ich es auch.
Schließlich ist auch dies eine Droge mit kardiovaskulärer Wirkung (und der Artikel im N Engl J Med aus dem Jahr 2006).
9 Kommentare zu “Was Koks kann, kann Ritalin schon lange”
„Kardiovaskulär“ ist ein tolles Wort. Ich habe mir vorgenommen, es heute mindestens dreimal im Büro zu benutzen. Da ich nicht weiß, was es bedeutet und gerade keine Lust habe, Wikipedia zu bemühen, wird es bestimmt im falschen Zusammenhang verwendet werden, aber das merkt eh keiner.
Hallo Philipp! Sei mir gegrüßt. :-)
„Kardiovaskulär“, also, dit is janz eimfach, wa? Dit heeßt, sowat mittm Herzen und mitte Jefääße, also Herz-Kreislauf-Wirkung, quasi, wa?
Ich liebe es, Fremdwörter – oder besser noch Fachbegriffe – in falschem Zusammenhang zu nutzen. Mit der entsprechenden Ernsthaftigkeit vorgetragen, hat das ganz erstaunliche Wirkungen. Ich übe da gerade mit diversen Handwerkern und lässig hingeworfenen „elastische -Dehnungsfuge“ oder „Ytong, doch kein Rigips!!! 5,5 cm, sieht man doch, kann doch gar nicht!“ und so. Immer schön im Brustton der Überzeugung raushauen und gucken, was passiert. Macht echt Spaß. ;-)
interessant, ob die eltern unter diesen überlegungen noch mal ihr zappeliges kind so unkritisch medikamentös stilllegen würden – in all der endgültigkeit?
Vermutlich nicht (ich glaube an das Gute im Menschen…).
Hier sehe ich aber ganz deutlich die Verordner in der Pflicht – würde mich mal interessieren, bei wie vielen der Kinder, die Methylphenidat verschrieben bekommen, auch auf ein eventuelles kardiovaskuläres Risiko geschaut wird. Ich könnte mir vorstellen, dass bei einigen nicht mal das Stethoskop drauf gehalten wird.
Ich habe mal mit einer alleinerziehenden Bloggerin diskutiert, die ihrem Sohn dieses Medikament verabreichen wollte. Für mich stellen sich einfach folgende Fragen:
Was macht man, wenn die Dosis nicht reicht, um die gewünschte Wirkung zu erreichen? Was macht man, wenn sich Nebenwirkungen zeigen? Was macht man, wenn sich das ursprüngliche Problem verschärft? Was macht man, wenn man nicht mehr davon loskommt?
Wenn ich mir diese Fragen für meine Person gründlich durchdenke, würde ich selbst keine Psychopharmaka nehmen. Und wenn ich selbst keine Psychopharmaka nehme, würde ich meinen Kindern auch keine geben.
Vor allem, was macht man, wenn der Erwachsene entscheidet, die Nebenwirkungen seine schon ganz okay so, Hauptsache das Kind nervt nicht mehr so rum?
Am Besten ist ja das Argument bzw. der erste Spruch, der den „Erfolg“ der Therapie dann beschreibt: „Jetzt hat er wieder gute Noten in der Schule.“
Das hab ich auch schon anders erlebt.
Nämlich dass KInder froh sind, endlich Ruhe zu haben, arbeiten zu können, nicht mehr hibbelig zu sein.
Wenn die Diagnose ADHS stimmt, dann sind sowohl Eltern als auch die Kinder selbst froh, dass es Ritalin gibt.
Dass die Diagnosen auch nicht stimmen und das Medikament einem nervösen aber gesunden Kind verordnet wird, steht auf einem anderen Blatt.
das betonen wir mal:
ich fände aber generell schön, wenn man einem kind einfach erst mal nur für vierzehn tage den fernseher und comp-shirm mit den vielen flackerbildchen entziehen würde, es auf cola entzug gesetzt wird und es als grünzeug nicht nur die dünnen gurkenscheiben unter der mcdoof fleischfrikadelle in den magen bekommt. so testweise, bevor zur droge gegriffen wird.
könnte ja wundersame erfolge bewirken …
„Wenn die Diagnose ADHS stimmt“ – genau da liegt der Hase im Pfeffer.
Ob man aus der Zufriedenheit über die erfolgte Ruhigstellung (man könnte hier auch sagen emotionale Verflachung) nun ex juvantibus auf die Richtigkeit der Diagnose schließen kann, wäre zumindest zu hinterfragen.
Ferner wäre an dieser Stelle einzuwenden, dass auch der Drogennutzer mit der Wirkung seines Stoffes zufrieden ist.
Fragt doch mal einen Kokain-User nachdem er eine Line gezogen hat, wie er das Zeug findet.
Nun, was wird er wohl antworten?
Ritalin unterliegt nicht umsonst dem BtM-Gesetz.
Im weitesten Sinne ist die Praxis im Umgang mit nicht konform leistungsfähigen Individuen ein soziologischer Tatbestand. Wir sind mitten drin in einer Entwicklung hin zu Kontrolle des Einzelnen (und auch an dieser Stelle: Tschüss ade, lieber Artikel 5 – r.i.p. – war schön mit Dir) und hier im Besonderen zur Kontrolle der Gehirne. Eine Modifikation der individuellen Leistungsfähigkeit ist momentan nicht nur Gegenstand einschlägiger Diskussionen (es gibt durchaus Neurophysiologen, die im morgendlichen Einschmeißen von, meinetwegen Amphetaminen, eine legitime Art des persönlichen Brainpushings sehen – Spätfolgen? welche Spätfolgen???) es ist bereits weit verbreitete Praxis.
(Creezy, Du hattest irgendwann zu diesem Thema einen ganz interessanten Link, wenn ich recht erinnere – ist schon ein Weilchen her.)
Wir rollen auf Zeiten zu, in denen ein nicht gedopter Mensch ab einer gewissen Ebene keine Chancen mehr hat mitzuhalten, bewegen sich doch um ihn herum ausschließlich manische, Pharmaka geschwängerte Speedy Conzales. (Die dann freilich irgendwann gepflegt zusammenbrechen, aber das mach nüscht. Steht ja schon der Nächste vor der Tür. Habe nicht nur einen solcher Fälle bereits im Notdienst behandelt – hatte man die Herrschaften wieder einigermaßen auf den Füßen, hingen sie schon wieder hektisch am Handy. Nun könnte man das als besondere Normvariante sehen, würde es nicht zur erstrebenswerten Norm erhoben.)