Dauerlaufen wollte ich heute morgen. Ganz fest vorgenommen hatte ich mir das. Aber nachdem um viertel vor sechs dooferweise der Wecker klingelte, ich mich noch einmal umgedreht und weiter gemurmelt hatte, stand plötzlich um knapp vor zehn das Tochterkind an meinem Bett, eines meiner Kleider in der Hand, das ich neulich eigentlich schon der Altkleidersammlung überlassen wollte, es dann aber doch nicht tat, weil mir dieses schwarze, kuttenartige, über zehn Jahre alte Teil mit Kapuze und Kängurutasche dann doch zu sehr ans Herz gewachsen schien, war es doch jahrelang mein Wohnkleid, so wadenlang und warm…
…wo war ich stehen geblieben?
Ach ja, Tochterkind wollte eben jene Kutte um 30 Zentimeter gekürzt haben.
Habe ich dann auch gemacht. Sofort, noch im Nachtgewand und mit strubbeligen Haaren.
Es hat sich gelohnt. Das Kind sieht entzückend darin aus, mit Leggings und knallroten Chucks. Überhaupt ist mein Ableger gerade mächtig auf den Klamotten-Recycling-Trip: abnähen, umnähen, aufnähen. Ich finde das großartig. Das Geld, das sie so spart steckt sie lieber in Opernkarten, Geigensaiten und Saxophonblätter – auch das finde ich nicht übel für eine 13-jährige.
Naja, zum Laufen bin ich jedenfalls nicht gekommen, heute.
Keine Extrakalorien verbraucht, nur Extrakalorien aufgenommen, nämlich hier(endlich mal wieder und ja, auch diesmal mit Jasmintee…).
Und dann, gerade als wir köstliche handgemachten Nudeln und herrlich zart gedämpftes Gemüse mapften, rauschte dieser Motorradkorso an uns vorbei:
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Und sonst? Ein wenig im Garten gewerkelt, Familieneinkauf erledigt, überlegt zur langen Nacht der Wissenschaft zu gehen, den Gedanken verworfen, weil ja auch irgendwie nicht mehr das, was es mal war und jetzt ohnehin zu spät und ohne Kinder auch ein wenig öde (Tochterkind in „Don Giovanni“, Sohnkind mit Kumpels unterwegs – Leute, nutzt die Zeit, in der Eure Kinder noch klein(er) sind, sie geht so schnell vorüber! Ich kann Euch saaren, immer dieser diskret erhöhte Adrenalinspiegel, bis die großen Kleenen spät am Abend dann endlich wieder daheim ins Nest geflattert kommen.) Jetzt noch ein wenig gute Musik, der Huflaikhan werkelt schon in der Küche mit Garnelen und Knoblauch…
Schönen Restabend Euch allen!
:-)
2 Kommentare zu “voll abhängen, die dritte”
Bei uns gab es damals drei Arten von Jugendlichen: die mit (fast) neuen Westklamotten, die mit Ostklamotten aus dem VEB Jugendmode und die auf einer Art »Klamotten-Recycling-Trip« (oder mit Kleidung Marke Eigennaht). Ich fand die dritte Variante immer am besten, weil sie sehr individuell war. Ich vermute mal, dass das gute Stück aus einem ziemlich guten Material ist und da lohnt sich ja das Recycling.
Hihi, „Kleidung Marke Eigennaht“. Ja, die Individualität ist wohl das Beste daran. Die Individualität und die Persönlichkeit, die man benötigt, um mit etwas herumzulaufen, das nicht die gerade angesagte Marke ist.
Erstaunlich ist, dass meine Kinder immer genau die Sachen von mir tragen, die auch ich heiß und innig geliebt habe (und die ich auch immer für ganz wenig Geld erstanden habe). So hat mein Sohn in den letzten zwei Jahren meine alte (weite schlabberige Männer-)Lederjacke getragen, und zwar täglich, egal ob es warm war, oder schneite und stürmte und Tochterkind hat sich heute ein Kleid ausgesucht, das ich noch zu DM-Zeiten im Schlussverkauf bei H&M für 3 Mark erstanden habe. Das Material ist in der Tat robst – ein wenig ausgewaschen mittlerweile, aber darauf kommt es irgendwie nicht an. (Aus dem restlichen Stoff habe ich übrigens dem Huflaikhan und dem Tochterkind je eine Mütze genäht…
…ich kann so etwas ja nicht lassen. ;-) )