Grandios scheitern


Was habe ich mir da nur wieder aufschwatzen lassen?
Kollege will in den Urlaub. Das ist nachvollziehbar, das ist okay.
Ich soll/muss/darf ihn vertreten. Das ist auch okay, so machen wir das ja schon seit längerem – zumindest die Routinearbeit betreffend.
Nun muss diesmal aber nicht nur die Routinearbeit vertreten werden, nein, vor etwa einer Woche erfuhr ich, dass es diesmal auch einen *hust* Vortrag zu halten gebe *ersticktröchel*.
Und da ich es ausgesprochen doof finde, wenn jemand für eine Vortrag zweimal (ja, der muss auch noch an zwei verschiedenen Tagen gehalten werden) seinen Familienurlaub unterbrechen muss, habe ich mal eben locker zugesagt.
Nun ist betreffender Kollege aber nicht nur ein besonders netter, sondern auch ein besonders eloquenter, hochengagierter. Seine Vorträge haben Showcharakter, er rockt die Bude.
Und so stehe ich nun nicht nur vor dem Problem, einen fremden Vortrag halten zu müssen, ich muss auch noch versuchen, die in den Vortrag gesetzten Erwartungen nicht allzu sehr zu enttäuschen.
Ein solches Projekt kann nur in die Hose gehen.
WAAAAHHH!
(Und mit Powerpoint arbeite ich ja nun auch nicht jeden Tag...
...eigentlich eher so gar nicht.
Mir steht schon jetzt das Adrenalin bis unter die Haarwurzeln und das Ganze passiert erst am Dienstag (und Donnerstag).
Mein einziger Trost:
Bisher habe ich es noch immer geschafft, wenn auch meist mit recht großer Anstrengung, mich irgendwie aus der Scheisse zu ziehen, in die ich mich vorher selbst geritten habe.
Wünscht mir Glück, dass es auch diesmal wieder klappt und ich mich da irgendwie durcheiern kann.)


23 Kommentare zu “Grandios scheitern”

  1. passiert meist eben einfach so.
    kenn ich auch.
    meist stiller bei-leser,
    doch diesmal wünsch ich
    viel glück,toi,toi,toi
    halte beide daumen
    und schicke baldrian.

  2. Ich biete meine Hlfe an. Habe morgen den ganzen Tag Zeit. Powerpoint ist eine meiner leichtesten Übungen, Medizin und Show nicht ganz unbekannt…

  3. Danke Hein! Das Daumendrücken und den Baldrian kann ich sowas von gut gebrauchen!
    Su, das ist sehr lieb von Dir! Der betreffende Vortrag ist weitgehend fertig (und auch so schon eingereicht). Ich denke, ich weiß jetzt einigermaßen, wie er funktioniert und wo welcher Einflieger kommt.
    Wenn ich aber demnächst auf Dein Angebot zurückkommen dürfte, wäre ich sehr dankbar – ich muss nämlich Anfang nächsten Jahres eine halbtägige Fortbildung hampeln halten…

  4. @su
    kann ich bei der powerpoint-schulung mitmachen? bitte, bitte!

    @pepa
    das schaffst du, einfach ein, zwei anekdoten einpflechten, dann läuft das schon. ich drücke die daumen! und ja, ich kann dein herzflimmern sehr gut nachvollziehen, ich bin ja auch überhaupt keine rampensau. oder frag zur not frau indica, die ist eine!

  5. Die Anekdoten habe ich schon parat und auf die setze ich auch und es ist auch nicht so, dass ich nichts zu dem Thema zu sagen hätte, im Gegenteil.
    Aber wie Du so schön sagst: Mir fehlt das Rampensau-Gen.
    Im Einzelgespräch, z.B. mit Patienten, bin ich richtig gut. Da kann ich mich aber auch auf mein Gegenüber einschwingen, da fühle ich mich auf sicherem Boden, irgendeinen Kontakt kann ich da immer herstellen, von wenigen schwer psychotischen Menschen mal abgesehen, aber selbst da funktionierte es bisher irgendwie.
    Bei großem Publikum weiß ich nicht so recht, funktioniert da sowas auch?
    Frau Indica? Frau Kaltmamsell? Wie ist das?

  6. Klar schaffst Du das! Und sollte doch alles schiefgehen – wovon ich nicht ausgehe – einfach die rote Nase mitnehmen, aufsetzen und so tun als wäre das ganze von „Verstehen Sie Spaß“ gefilmt worden. ;o)

  7. Bei großem Publikum ist es sicher sinnvoll auf die Stimmung in der Audienz zu hören und dementsprechend darauf einzugehen. Interagiere mit dem Publikum, das machen viele nicht, weil sie Angst vor den Leuten haben. Aber immer mal wieder jemanden anzusprechen (beispielsweise zu einem Punkt, den ein Vorredner schon auf dem Plan hatte oder eine Frage ins Publikum spielen), hält die Zuhörer wach und aufmerksam. Andererseits ist die Stimmung schon extrem kühl oder dank Vorredner auf dem Nullpunkt ist das schwer dann so mutig zu sein. Ich vermute momentan wird viel auf Koalitionsverhandlung etc. abgezielt, das kann man auch tun, da wäre Humor sicher aber angebracht … unter Umständen ist zwischendurch ‘ne rote Nase nicht von schlechten Eltern. ,-) (Ein guter von der Leyen-Witz hinsichtlich ihrer norwegischen Zahlenkompetenz geht immer.)

    Hast Du Vorredner? Dann mach Dir jetzt schon darüber Gedanken was Du machen willst, falls die schon längst Themen an- und besprochen haben, die auch auf Deiner Liste sind. Dann stehen sie zwar bei Dir in der PP-Folie, bevor man sich und dem Publikum da aber langweile Wiederholung zumutet, solltet man dann vielleicht lieber den oder anderen Gedanken weiter spinnen. Viel zu viele Redner halten sich verkrampft an der eigenen Folie fest und machen sie zum Hauptmedium in der Rede, anstatt das mit sich und dem selbst Gesagten zu tun. Das weiß man, nichts ist langweiliger als Redner, die nur ihre Folie ablesen. Ein guter Redner spricht erst seinen Text und zeigt danach in der Zusammenfassung seine Folie(n).

    Und je nachdem wo Du sprichst und worüber, den Patienten ins Boot holen. Sehr oft erlebe ich Redner im Gesundheitsbereich, die völlig vergessen zu erwähnen um wen es eigentlich noch geht – obwohl ja alle im Raum auch Patienten sind oder sein werden.

  8. Ich drücke feste die Daumen! Anderer Leut‘ Vortrag habe ich noch nie gehalten – ich fühle mich nur sicher und souverän, wenn ich alles selber vorbereitet habe. Dann präsentiere ich beruflich gerne und sicher auch leidenschaftlich. Sich in der Materia auskennen, ist mein einziger Tipp. Und da mache ich mir in deinem Fall keinerlei Sorgen.

    (Privat, also als ich selbst, erstarre ich innerlich zur Salzsäule – wewegen ich das mit den Lesungen auch schnell habe bleiben lassen.)

  9. @ creezy: Mache ich gern, wenn ich mal wieder in Berlin bin.

    @ pepa: Hab Dir eine Mail geschrieben. Und, Du merkst ganz sicher, wie das Publikum drauf ist. Am Besten kommt immer, wenn man merkt, dass den Redner das Thema selbst begeistert und er trotzdem klar, deutlich und nicht zu schnell spricht.

  10. Danke Liisa für Dein Vertrauen in mich! :-)
    Creezy, das Publikum ist zum Glück gerade noch überschaubar – es ist keine Rede, die ich halten soll, sondern ein Vortrag im Rahmen einer Fortbildung (sind also alles Kollegen, denen ich da etwas vom Storch erzählen soll).
    In der Materie fühle ich mich sicher, zumindest was den medizinischen Part angeht und bei mir steht ohnehin immer der Patient im Vordergrund (damit bin ich schon am Krankenbett in der Klinik angeeckt, als ich den Intensivpatienten, der durchaus dem Gespräch folgen und sprechen konnte fragte, wie es ihm denn geht und nicht über seinen Kopf hinweg in der Visite Vitalparameter referiert habe) – um wen sonst geht des? (Ich weiß, dass diese Priorität bei manchen Vortragenden nicht so klar definiert ist, aber selbst die Mitarbeiter einer Krankenkasse haben es mit neulich nicht übel genommen, dass ich nicht von Kosten etc. gesprochen habe…)

    Bei mir, liebe Kaltmamsell, ist es genau umgekehrt – ich bin nur gut, wenn ich ich selbst und so richtig emotional sein darf. Nur dann komme ich aus mir heraus und überzeugend rüber. Das ist im Patientengespräch durchaus von Vorteil, aber so vor mittelgroßem Publikum, herrje! Da schaffe ich es irgendwie nicht, erstmal souverän in eine Rolle zu schlüpfen, deshalb bin ich aufgeregt und meine Aufregung kann man quasi als Fließtext von meiner Stirn ablesen. Ich kann nur hoffen, dass es mich morgen selbst packt und ich die Dringlichkeit des Themas einigermaßen rübertanzen kann.

    Su, ich werde aufpassen, nicht zu leise und zu schnell zu reden! Es stimmt, das kann mir recht schnell passieren.

  11. Pepa, ich bin sicher du machst das richtig gut und gerade so auf deine emotionale Pepa-Weise. Herrje, was war ich früher auch immer so aufgeregt wegen zu haltenden Fortbildungen, aber seit ich gemerkt hab, dass ich ja mehr weiß als die anderen bzw. mich gut auskenne in meinem Bereich und die anderen ja das hören wollen was ich sage, geht es richtig gut. Außerdem, wenn man wirklich authentisch in seiner eigenen Art ist, da kann man gar nicht so viel falsch machen. Und wie gesagt, ich bin sicher du machst es auf deine ganz eigene emotionale Art (und die ist überzeugend) bestimmt richtig gut.

  12. (((Öhm, die wollen glaube ich nicht hören, was ich ihnen sage. Zum einen ist das eine Art Zwangsveranstaltung, zum anderen ist es ein wenig kompliziert und bisweile trocken, was ich da erklären muss (Füssick, Technique, all so Krams). Aber schaun mer mal. Ich werde berichten – oder still in mich hinein weinen…;-) )))

  13. Wie kann man nur nicht das hören wollen, was du zu sagen hast?? Versteh ich überhaupt nicht :-)
    Die sind selbst Schuld, wenn sie dir nicht aufmerksam zuhören.
    Ein Vorschlag zum Scherz: Kannst du die trockene Füssik nicht mit ein paar Experimenten aufpeppen ? Das haben meine Lehrer auch immer versucht, hat aber oft nicht richtig funktioniert, wenn ich mich recht erinnere.
    Ich wünsch dir trotz allem viel Spaß bei dem Vortrag und natürlich Erfolg.

  14. Hm Experimente, hm…

    So wie die Kollegin, die als Leiterin in einem rettungsärztlichen Kurs für Hausärzte sich lässig einen Motorradhelm aufsetzte, um sich mit den Worten: „So, jetzt reanimiert mich mal“ auf dem Boden zu schmeißen.
    Sie hat es bitter bereut, haben die lieben, eifrigen Kollegen ihr doch fast den Hals, zumindest aber einige ihrer schönen langen, blonden Haare abgerissen bei dem Versuch den Helm wieder vom Kopp zu bekommen…

    ..neenee, lieber nicht… ;-)

  15. Na also, das klingt jetzt aber nicht als müsstest Du Dir wirklich Sorgen machen, dass Du das nicht gebacken bekommst – und zwar mit Souveränität als Mehlersatz! ,-) Und dann sei Du selbst und emotional, wenn Du so am besten bist. Andere sind anders, Du bist eben so wie Du bist – der Rest ist Inhalt. Furztrocken sollen doch die anderen! ,-)

  16. Oooooch, ein, zwei Flaschen Sekt vorher trinken, dann hält sich der Vortrag fast von alleine (zumindest ist einem dann auch die Außenwirkung völlig wumpe). :D

  17. wwwwwisssse! *hicks*
    Melde jehorsamst, allet jut, allet schick, keina einjeschlaafn, nur icke heisa, hat Spaß jemacht.
    Übermorgen wieder (wusste gar nicht, dass ich eineinhalb Stunden am Stück babbeln kann.)

  18. Freut mich zu hören, dass es dir Spaß gemacht hat. Einen ebensolchen wünsche ich dir für übermorgen :-))

  19. Dankeschön!
    :-)
    (Nur eines habe ich, ganz für mich, gelernt: Bringe den Laserpointer nicht am Anfang des Vortrags zum Einsatz. Es sei denn, du willst deine Nervosität visualisieren…)