Wie der Huflaikhan einmal am frühen Morgen auf Verbrecherjagd ging


Sohnkind so Sonnahmd früh um sechse bei uns nebens Bette„Ich glaube, unsere Fahrräder werden gerade geklaut!“
Wir raus ausse Betten, wa, ran ant Fensta vom Sohnkind, wa?
Und?
Stehen da noch alle Drahtesel.
Alle.
Bis auf einen.
Mein altes graues Fahrrad, das mit seinen platten Reifen schon in die Regensburger Erde eingewachsen war und das der Huflaikhan erst mühsam entwurzeln musste, bevor er es nicht minder mühsam im Umzugswagen verstauen konnte, DAS fehlt.
Der Korb, der auf dem Gepäckträger dieses alten grauen Fahrrades platziert war, ist fein säuberlich auf den des alten Huflaikhanschen Rades gesteckt, das Schloss (das zugegebenermaßen lediglich in eben jenem Korb lag, aber wer klaut denn schon eine solche Gurke, wenn daneben vier andere, weitaus bessere Räder stehen, hm? Na eben!) ist um die Sattelstange vom alten Tochterkindfahrrad gefriemelt.
Schwupp, die Tür klappt und der Huf ist verschwunden.
„Das war so ein Freak – ich kenne solche Typen“, sagt Sohnkind, als wir beide schließlich im Vorgarten stehen und der Huflaikhan gerade um die Ecke gebogen kommt, „der ist übrigens in die andere Richtung abgehauen…“
Als der Huflaikhan beginnt sein Fahrrad loszuschließen, denke ich erst, er will dieses in die Garage und damit in Sicherheit bringen, also tue ich es ihm gleich.
„Mama, was machst Du da?“
„Na ich bringe mein Fahrrad in die Garage, wie der Hu…???“

Vom Huflaikhan ist nur noch ein entschlossener Rücken zu sehen, als er mit Vollkaracho (und ohne Helm, herrje!*) um die Straßenecke biegt.
Der wird doch nicht etwa?
Oh doch!
Ich überlege noch kurz, ob ich hinterher fahren soll, verwerfe den Gedanke aber angesichts meines bodenlangen Spaghettiträgernachthemdes und gehe zurück ins Haus, um Kaffee zu kochen, begleitet von dem mulmigen Gefühl, dass der Huf sich da draußen unter Umständen gleich eine blutige Nase holen wird.

Etwa zehn lange Minuten später klingelt endlich das Telefon:
„Ich hab‘ es wieder. Schick mal Sohnkind los, zwei Fahrräder schieben sich schlecht.“

Wie er den beiden besoffenen Knallchargen das Fahrrad wieder rausgeleiert hat, sollte er vielleicht selbst erzählen, der Huflaikhan. War jedenfalls eine reife Leistung, wollten die beiden Spacken doch glatt die Polizei rufen, weil sie meinten, das Fahrrad hätten sie auf der Straße gefunden und das würde jetzt eindeutig ihnen gehören.
Soll jedenfalls keiner mehr behaupten, ein promovierter Musikwissenschaftler könne nur so elfenbeintürmig und so.

Der kann durchaus Haus und Hof verteidigen.

Wenn es sein muss.

—–

*Sohnkind hinterher so: „Mama, wie hätte das wohl ausgesehen, wenn Hufi mit Helm auf dem Kopf vor den Typen gestanden hätte?! Das wär jetzt echt nicht gut gekommen.“
Vermutlich hat er Recht.


14 Kommentare zu “Wie der Huflaikhan einmal am frühen Morgen auf Verbrecherjagd ging”

  1. wow! Ich bin sehr beeindruckt von diesem Beweis huflaikhanschen Einsatz für Haus und Hof und vor allem seine Liebste! :)

  2. ich sagte ja neulich schon: in eine SEEEEHR komische gegend sind sie da gezogen!

    aber den hufleikhan finde ich sehr süss, richten sie ihm das ruhig aus ;o)

  3. Ja Liisa, ich bin auch sehr beeindruckt und süß, Cecie, finde ich den Huflaikhan auch, klar! ;-)

    Karan, das war auch irgendwie sehr, ähm, slapstickoid. Noch besser wäre es vermutlich gekommen, wenn ich im bodenlangen Nachtgewand hinterher geradelt wäre.

    Und Hufilein, mach Dir keine Gedanken. Da sind einfach Deine mutigen Beschützerhormone mit Dir durchgegangen.
    Und außerdem wäre es ja nun wirklich ausgeprochen ärgerlich, wenn das Teil erst aus Regensburg mühsam hierher geschafft wird, damit es dann gleich drei Tage später dem Suffkiklau zum Opfer fällt.
    Aber mir ist schon ziemlich die Muffe gegangen. Kannste glauben.

  4. Kai, „Mischin impoziebäl“ hat Tochterkind neulich im Orchester (der ganze Saal hat gewackelt!) gespielt – da ließe sich durchaus etwas machen..;-)

    Ja genau Sven, der Huf im Haus erspart die Axt im Walde – oder wie war das gleich?

  5. Mutigen Beschützerhormone inne Huf, DAS war mir schon immer und lange klar! Sach ich nicht schdändig: Unterschätzt mir die Adornoforscher nüscht! Und mit Helm, pardong – das geht bei solchen heiklen Missionen abär sowas von gar nüscht! Bodenlanges Gewand beier Verfolgung hinwiederum hätte durchaus Surreales, ein Jacques Tati-Revival vielleicht?

  6. Wow! Und ich wette, Ihr habt noch gedacht in eine ruhige und ungefährliche Gegend gezogen zu sein! Aber so eine Aktion noch vor dem ersten Kaffee? Und diese Souveränität das Cellphone mitzunehmen, damit der Sohn bei Erfolg herbei telefoniert werden kann – so ein Selbstbewusstsein muss man erst mal haben! ,-)

  7. BusterBusterBuster!
    Du hier!!!!
    Was für eine Freude!!!!! :-)
    (Hab mir schon Sorgen gemacht. Mal wieder. Herrje! ;-) )
    Ja genau, so ein freundlicher Adornit hat mehr Arsch in der Hose, als so mancher bodygebuildete Testosteronbomber.
    Das wusste ich schon immer und das beschränkt sich auch nicht auf philosophische Musikwissenschaftler oder musikwissenschaftliche Philosophen, das trifft auf ganz viele kluge Männer (und Frauen!) zu.
    Jawollja!

    (Das mit dem bodenlangen Gewand wäre die volle Slapsticknummer geworden, handelt es sich doch bei dem Teil nicht nur um ein eben bodenlanges, sondern auch sehr sehr schmales, ungeschlitztes Nachtgewand. Damit ordentlich in die Pedalen treten wäre schon eine geradezu artistische Leistung. Am besten auf Tochterkinds Einrad und mit farblich passender roter Nase.)

    Creezyline, über Dir froi ick mir ooch! :-)
    Ja, vor dem ersten Kaffee und dann auch noch sowas von cool (er erzählt ja nicht, wie er mit den Tüppen verhandelt hat, der Huf, aber ich muss sagen: Hut ab. Das muss ganz großes Kino gewesen sein.)

  8. Sehr langschmal und noch dazu ungeschlitzt, da isses Einrad würklich erste Wahl für ne packende Verfolgsjagd! Lass das den Hufi dochma Youtuben …

  9. Bist halt a Hund Martin.
    Es ist schon ein großes Stück Bayern in Dir.
    Wir sind stolz und blicken mit Wohlwollen auf Dich.
    Linda u. Johannes

  10. Youtuben?
    Oh ha!
    Da muss ich dann wohl mal ganz schnell üben gehen….

    *polterrummsschepper*

    Ja Johannes, das lässt sich nicht leugnen, das mit dem großen Stück Bayern.
    Der Huf grüßt die Leute hier regelhaft und mit freundlicher Penetranz mit einem dahingeschmetterten „Grüß Gott“, was der Brandenburger an sich zwar mit freundlichem, aber dennoch verwirrtem, bestenfalls amüsierten Kopfnicken quittiert. Ferner pflegt er Sätze auszurufen, die mit „bei uns in Bayern…“ beginnen.
    Ihr wäret wahrhaft noch viel stolzer auf ihn, als ihr es ohnehin schon seid.

    Herzliche Grüße ins Café (das fehlt mir hier schon arg!) und einen schönen Sonntag, der Linda und Dir! :-)