Unfreie Tage


Es sind gar nicht so sehr die Demenz der Mutter und ihre zunehmende Unfähigkeit, den Alltag zu meistern, die in dieser Phase die größte Mühe machen.
Auch die Geschichten, die sie sich in ihre Gedächtnislöcher hinein phantasiert, sind nicht mehr so erschreckend – es ist da ein gewisser Gewöhnungseffekt meinerseits eingetreten.
Was wirklich nervig und zeitaufwändig ist, das ist das nahezu tagtäglich erforderliche organisatorische Drumherum.
Es ist die Koordination der verschiedenen Pflegepersonen, es ist der Papierkram, der nicht nur zu erledigen, sondern erstmal – gut vergraben von der Mutter – irgendwo gefunden werden muss.

All das.
Aber es ist, wie es ist.
Und solange sie sich einigermaßen wohl fühlt und keinen gröberen Blödsinn macht, ist alles okay.

(Dennoch sehe ich mir gerade Dementen-WGs und Tagespflegeeinrichtungen in der Umgebung an. Die Krankheit verläuft schubweise, man weiß nie, wie schnell man irgendwann handeln muss und die Wartelisten sind teilweise lang.)


9 Kommentare zu “Unfreie Tage”

  1. Jo! Aber guck genau hin – ich hatte meine Mühe eine wirklich geeignete Einrichtung zu finden. Spreu und Weizen hängen eben am gleichen Stengel…

  2. Oh ja. Die erste Einrichtung war schon recht ….kalt? Neutral? Irgendwie ein wenig traurig. Aber das sind viele.
    Irgendwie passt (noch) nichts so richtig. Ich habe mir ein zeitliches Limit gesetzt und das lautet: Wenn sie uns nicht mehr erkennt, dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen.
    Vielleicht kommt es nicht mehr dazu, vielleicht müssen wir auch vorher eine Betreuungseinrichtung suchen. Wer weiß.

  3. Ja, der Papierkram, der in solchen Fällen „nebenher“ (!) zu erledigen ist, ist unfassbar (trifft auch Familie mit behinderten Kindern oder wer pflegebedürftigen Angehörige hat). Wer das noch nie selbst erlebt hat, macht sich keine Vorstellung vom Ausmaß des Papierkrams und wie zeit- und nervenraubend das ist.

    Für die Suche nach einer geeigneten Einrichtung wünsche ich auch viel Erfolg. Kann mich Spontiv nur anschließen, dass man sehr genau hingucken und hinhören muss, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Nicht vergessen auch in der Nachbarschaft, bei Freunden (vor Ort) und Bekannten mal nachzufragen, welche Einrichtungen sie evtl. empfehlen bzw. von welchen sie abraten würden. Da klärt sich auch schon manches im Vorfeld, weil wenn da Empfehlungen kommen, dann meist, weil sie selbst schon tatsächliche Erfahrungen mit diesen Einrichtungen gesammelt haben.

  4. Hmm, da wünsche ich Euch starke Nerven und ein wenig Glück natürlich auch. DIE perfekte Einrichtung gibt es nicht. Manchmal muss man sich die Bedingungen noch im Nachhinein zurechtbiegen. Denn irgendwas ist immer…
    Und zwischen all dem Kümmern bitte weiter mit der Kamera meditieren.

  5. Ja, das ist nicht ganz einfach – wobei die Qualität einer Einrichtung ja auch immer ganz wesentlich vom Personal abhängt, das da arbeitet und die Stimmung kann da schon von Schicht zu Schicht wechseln.
    Im Dienst habe ich teilweise Pflegeeinrichtungen erlebt, die waren baulich sowas von runtergerockt, aber das Pflegepersonal war super und die Stimmung der Bewohner auch. Andersherum gab es auch eine ganze Menge Beispiele.
    Problematisch werden sicher auch die Mitpatienten. So lange es irgendwie geht, werde ich ihr das ersparen.

  6. (gekommen, gelesen, nachgedacht, mitgefühlt, nix zu sagen gehabt was irgendwie passen oder helfen würde, wieder gegangen)

  7. Das mit der Grenze halte ich für schwierig. Was ist „nicht mehr erkennen“? Verwirrt sein, wer das Gegenüber ist? Manchmal können Menschen schon vor dieser Phase nicht mehr „geradeaus“ sprechen/formulieren…

    Ich arbeite ~alle 2 Wochen in einer Tagesstätte für Demenzkranke; die Krankheitsverläufe ähneln sich zwar grundsätzlich, aber dann doch auch wieder überhaupt nicht. Ich weiß ja nicht, wie dicht ihr [vor allem emotional] dran seid – verwirrend ist für Demente ab einem gewissen Stadium ja quasi alles, selbst die Umgebung. Umso wichtiger ist es meiner Meinung nach, so blöd das auch klingt, dass IHR „gesund“ bleibt. Denn anderen helfen kann man nur dann.

  8. Ja Rebekka,, das mit dem „gesund“ bleiben stimmt vollkommen.
    Das ist auch der Grund, weshalb ich immer wieder – wenn ich merke, ich bin emotional im Moment zu nah dran oder aufgrund von Stress auf einer anderen Baustelle zu unausgeglichen – versuche zu delegieren. Vom täglichen Anruf bis hin zu diversen Hilfestellungen.

    Zum Glück neigt meine Mutter dazu, sich ihre Geborgenheit selbst zu erfinden, indem sie plötzlich Vertrautes in ihrer Nähe wähnt. (Sie meint z.B. Nami, die sie sehr mag, würde immer wieder bei ihr übernachten – was sie nicht tut.) Ich hoffe, das bleibt auch so und schlägt nicht irgendwann in die andere, paranoide Richtung um.